Was die (Piraten-)Parteien wissen sollten…

Man sagt, es gäbe eine Politikverdrossenheit in Deutschland. Das jüngste Beispiel der Piratenpartei zeigt jedoch, dass es in Wirklichkeit eher eine Parteienverdrossenheit gegenüber den sog. etablierten Parteien gibt. Es scheint, als ob keine dieser etablierten Parteien stringente Lösungen anbieten kann. Bei den Berufspolitikern handelt es sich schließlich im Allgemeinen um Manipulierer, was kein Wunder ist bei der fehlenden Qualifikation. Die Unwissenheit muss ja verheimlicht werden, sonst ist man seinen Job und seine Reputation los. Die Piratenpartei ist noch ehrlich, aber wird, wenn sie nicht bald an wissenschaftlicher Fachkompetenz hinzugewinnt, auch dasselbe Schicksal wie die Grünen erleiden. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass dies passiert. Da Wissenschaft sehr aufwändig und das Resultat ungewiss ist, verzichten die meisten lieber darauf und werden automatisch zu den etablierten Manipulierern, falls bis dahin nicht schon die politische Bühne verlassen worden ist.

Es kann aber nicht sein, dass politische Arbeit ohne Kenntnisse von Fachgebieten wie z.B. der Ökonomie, der Philosophie, der Mathematik, der Systemtheorie oder auch der Formalen Logik getrieben wird. Warum diese Wissenschaften?

Philosophie, weil sie die richtungweisende, allgemeinste Wissenschaft ist, deren Erkenntnisse grundlegende Bedeutung in allen anderen Wissenschaften haben.
Mathematik, weil komplexe, reale Probleme nicht ohne mathematische Modellierung und Analyse gelöst werden können.
Systemtheorie, weil die Gesellschaft als komplexes System von Störgrößen betroffen ist, die geregelt (Kybernetik) werden müssen.
Ökonomie, weil sie die Basis des gesellschaftlichen Überbaus ist und, weil sie unter Wechselwirkung die restlichen Teilsysteme der Gesellschaft bestimmt.
Formale Logik, weil sie stringente Schlüsse erlaubt und somit Handlungen wissenschaftlich legitimiert.

Dass weder die Piratenpartei oder sonst irgendeine Partei Politiker von diesem Niveau anzubieten hat, ist offensichtlich. Doch die genannten Anforderungen sind nicht eine absurde Wunschvorstellung, sondern sind notwendige Bedingung für wissenschaftliche Politik. Wie soll man z.B. in der polit-ökonomischen Praxis korrekt Handeln, wenn in der Theorie eklatante Defizite sind?
Dabei ist es egal, wie gut der Wille oder wie sympathisch der Politiker ist. Das Fehlen der notwendigen Grundlagen führt im Allgemeinen dazu, dass man gezwungen ist, eine Politik der Anpassung an die jeweilige Situation, eine Politik des Opportunismus, zu machen. So wie es alle sog. etablierten Parteien bereits tun (Bsp.: Energiewende der CDU 2011, Politik der FDP seit ihrer Schwäche in Umfragen 2010, Hartz-4-Politik der SPD, Legitimation der Grünen für Kriegseinsätze 1999, Politik der Linkspartei in Berlin zur Zeit der rot-roten Koalition usw.).

Man landet dann in einem „Teufelskreis“. Fehler werden in steigender Quantität und Qualität reproduziert: Es werden vage Formulierungen benutzt, die viel zu viel Interpretationsspielraum lassen. Dann werden zu viele Metaphern und Vergleiche angestellt, die eine wissenschaftliche Exaktheit unmöglich machen. Neue Mitglieder werden nur nach grober Gesinnung aufgenommen. Schließlich gibt es keine Inhalte mehr, sondern sog. Realpolitik, die eben je nach Situation (siehe Beispiele oben) mal so oder so handelt. Natürlich muss Politik auch flexibel sein, aber wissenschaftliche Politik schließt das nicht aus. Nötig ist deshalb eine Partei, die auf wissenschaftlicher Grundlage agiert mit Mitgliedern, die das dazu nötige Qualifikationsniveau besitzen oder wenigstens den uneingeschränkten Lernwillen und das dazugehörige Potenzial. Bis dahin ist es noch ein sehr weiter Weg.

Nachtrag: Es gibt die berechtigte Ansicht, dass die Meinung der Mehrheit mehr Gewicht haben muss, als die der Minderheit. Das stimmt aber nur bedingt. Man bekommt nämlich Probleme, wenn der konkrete Fall „unwissende Mehrheit vs. wissende Minderheit“ eintritt. (Mit „wissend“ meine ich „auf wissenschaftlicher Basis agierend“, was impliziert, dass es eine solche gibt, denn wenn man abstreitet, dass es in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften eine Wissenschaftlichkeit geben kann, dann sind wir mit der Meinung der Mehrheit besser aufgehoben als mit der Meinung (!) der Minderheit, weil die „wissende Minderheit“ dann eben keine Wissende wäre.) Nun wäre dagegen die Frage berechtigt, warum jemand über etwas abstimmen darf, wenn er schlichtweg kein nötiges Wissen dafür besitzt oder anders: Warum haben der Unwissende und der Wissende das gleiche Stimmgewicht bei einem politischen/gesellschaftlich relevanten Sachverhalt, obwohl letzterer die Entscheidung besser fällen kann?

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8 Antworten zu Was die (Piraten-)Parteien wissen sollten…

  1. Emm Ess schreibt:

    M. E. kann es schon sein, dass politische Arbeit ohne Kenntnisse von Fachgebieten wie z.B. der Ökonomie, der Philosophie, der Mathematik, der Systemtheorie oder auch der Formalen Logik getrieben wird.
    Die Ökonomie ist doch keine Wissenschaft. Hier werden lediglich Ideologien vertreten. Der Super-Philosoph Platon ist mit seiner Politik in der Praxis kläglich gescheitert und die Philosophie hat doch seit Platon kaum Fortschritte gemacht. Der Stifter des Nobelpreises hat schon gewusst, warum er für das Fachgebiet der Mathematik keinen Preis ausgelobt hat. Der sog. Nobelpreis für Ökonomie wird von einer schwedischen Bank bezahlt.
    Politik sollte von gesundem Menschenverstand getrieben sein und nicht von wissenschaftlichen Spitzfindigkeiten.

  2. dialecticprogress schreibt:

    1. Natürlich kann man Politik machen ohne irgendwas zu wissen oder nur mit dem sog. gesunden Menschenverstand, aber, ob es dann das richtige Handeln ist, ist eine andere Frage. Besonders beim sog. gesunden Menschenverstand muss man sehr vorsichtig sein. Er kann am Anfang hilfreich sein, ist aber auf Dauer eher gefährlich. (siehe Vergleiche im Artikel „Definitionssache]“ und hier: http://www.amazon.de/Kritik-gesunden-Menschenverstandes-Hindernislauf-Erkenntnis/dp/3548364063/ref=wl_it_dp_o_npd?ie=UTF8&coliid=I8874PETQHHUZ&colid=6BT35BO2DYIW )

    2. Scheinbar (!) bist du Vertreter der „subjektiven Wahrheits-These“, die besagt, dass es kein wahr oder falsch gibt, sondern nur diese oder jene Sichtweise auf ein Problem. Du nennst es: „es werden lediglich Ideologien vertreten“. Dazu siehe Artikel „Probleme der Gesellschafts- und Geisteswissenschaften“ und „Was ist Wahrheit?“

    3. Abgesehen davon, warum Platon ein Super-Philosoph sein soll, würde ich gerne wissen warum du aus einer einzelnen Erscheinung einer Person (hier: Platons angebliche (Nicht-)Fähigkeit Theorie in Praxis umzusetzten) auf eine allgemeine Eigenschaft einer Wissenschaft (hier: Unfähigkeit der Philosophie für die Praxis zu taugen) ableitest. (siehe auch „Wesen oder Erscheinung?“) Zusätzlich weise ich die Aussage, dass die Philosophie seit Platon keine Fortschritte gemacht hätte, entschieden zurück. (siehe „Grundfrage der Philosophie: Was ist der Mensch?“)

    4. Das Fehlen eines Nobel-Preises für Mathematik als Beweis für die Unwichtigkeit der Mathematik anzusehen, ist schlichtweg falsch. Ja, Alfred Nobel hat die Mathematik anscheinend als Hilfswissenschaft angesehen (und das ist sie auch) und daraus (fälschlicherweise) abgeleitet sie nicht in seinem Testament zu erwähnen. Die Einschätzung einer einzelnen Person als Argument gegen eine ganze Wissenschaft zu nennen, ist jedoch nicht richtig. Abgesehen davon: Es gibt dem Nobel-Preis ähnliche, hoch angesehene Auszeichnungen für Leistungen in der Mathematik wie den Abel-Preis und die Fields-Medaille.

  3. Lenny Soto schreibt:

    Die von dir aufgelisteten Fachkompetenzen (Systemtheorie, Mathematik, etc.) können sicher nicht schaden. Ich frag mich aber, warum du meinst, die Piraten würde dasselbe Schicksal treffen wie die Grünen. Die Meinungsbildung bei den Piraten ereignet sich kategorisch anders (liquid feedback) als bei den etablierten Parteien. Mal schauen, was passiert…

    Was die Philosophie angeht bin ich skeptisch. Die akademische Philosophie in Deutschland ist an Irrelevanz kaum zu überbieten. Meiner Meinung nach ein geschlossenes System, das sich selbst perpetuiert und keinerlei gesellschaftlich bedeutsame Anreize schafft oder sich die Mühe machen würde, in einen Dialog mit Nicht-Philosophen einzutreten.

    • dialecticprogress schreibt:

      Ja die Grünen hatten kein Liquid Feedback, aber sie haben Politik trotzdem auch nach Meinungen betrieben. Bei den Piraten ist dies nun die Meinung aller Parteimitglieder, bei den Grünen war/ist dies eingeschränkter. Doch so leid mir das tut: Meinungen dürfen nicht in der Wissenschaft (inkl. der Politik) interessieren.

      Es gibt Meinungen wie Sand am Meer, sie sind subjektiv und beruhen nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen (Ein Beispiel dafür wohin unterschiedliche philosophische Ansichten führen können, im Artikel „Grundfrage der Philosophie – Was ist der Mensch?“).

      Das Element Liquid Feedback ist in soweit zu begrüßen, dass es Politik transparenter und „demokratischer“ macht, aber es macht Politik nicht besser. Reales Beispiel aus LF: Warum darf jemand über die Regulierung des Finanzsektors abstimmen, der nicht genügend Wissen dafür besitzt?

      LF kann nicht die wissenschaftliche Herangehensweise der Mitglieder an die Politik ersetzen. Und ohne wissenschaftliche Herangehensweise hat man einfach nur noch eine weitere Partei, die im wesentlichen nach Meinungen agiert. Das führt (wie im Artikel beschrieben) zu einer rein subjektiven Politik bzw. zur sog. Realpolitik (also opportune Politik, die je nach Situation unterschiedlich handelt) – wie es bei den Grünen auch der Fall war.

      Eine Alternative für die Piratenpartei: Die Parteimitglieder müssen auf einer wissenschaftlichen Grundlage (siehe die Aufzählung im Artikel) arbeiten und nur solche Personen dürften in die Partei. Personen nur nach einer groben Gesinnung aufzunehmen ist schon allein nicht zielführend für eine richtig handelnde Politik. Qualität und Quantität sind entscheidend – nicht nur letzteres.

      Zur Philosophie: Du hast Recht. Das, was an den Universitäten in Philosophie gelehrt wird, ist eher dem Bereich Kaffeeklatsch zuzuordnen, als einer Wissenschaft. Das ist aber nicht nur in der Philosophie der Fall, sondern auch allgemeinen im geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Bereich. Im Artikel „Probleme der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften“ gehe ich auch auf diese wichtige Problematik ein, aber dennoch heißt dies nicht, dass Philosophie als Disziplin generell abzulehnen wäre, weil sie auch wissenschaftlich betrieben werden kann.

  4. Lenny Soto schreibt:

    Ich denke, ein Hauptproblem deines Vorschlags („Alternative für die Piratenpartei“) ist es, dass du immer jemanden brauchst, der die Entscheidungsfinder zusammenstellt. Wer entscheidet darüber, was es bedeutet, eine ausreichend wissenschaftliche Bildung zu haben? Wer entscheidet darüber, was das Prädikat „wissenschaftlich“ überhaupt bedeutet. Sobald du einen solchen sozialen Ausschlussmechanismus einrichten willst, der die eine Gruppe als „wissenschaftlich“ adelt und die andere als „unwissenschaftlich“ diskreditiert, siehst du dich einer ganzen Reihe von (unnötigen) Problemen ausgesetzt. Abgesehen davon wäre diese „Wir-sind-besser-als-du“-Partei für die meisten Leute unwählbar und würde in einer Demokratie grandios und völlig zu recht scheitern.

    Das tolle an der Idee des Liquid Feedback ist doch gerade ihr integrativer Charakter. Jede Meinung zählt und jeder kann ggf. darüber entscheiden, ob er in Abstimmungen seine Stimme jemandem leiht, von dem er denkt, dass er im fraglichen Ressort mehr Fachkompetenz besitzt als er selbst. Jeder kann sich an Diskussionen beteiligen, die Hemmschwelle sich zu Wort zu melden ist wesentlich geringer. Und während der Teilnahme an der Diskussion wird nach Begründungen und Zwecken gefragt. Die Teilnehmer lernen, ihre Meinungen zu begründen und lernen Gründe für andere Meinungen kennen. Der Diskurs wird durch die Diskussion, durch das Gründe-Geben und -Nehmen ganz von allein „wissenschaftlicher“.

    • dialecticprogress schreibt:

      Ich fasse deine Fragen zusammen:

      1. Wer entscheidet darüber, was Wissenschaft ist?
      2. Was ist wissenschaftlich?

      zu 1) Man braucht zu Beginn eine bestimmte Anzahl von Mathematikern, Kybernetikern, Logikern, (richtigen)* Ökonomen, (richtigen) Philosophen u.ä., die vorab ein politisches Grundkonzept auf wissenschaftlicher Basis entwickelt haben. Nur solche Menschen sind dann in der Lage darüber zu bestimmen, ob ein Parteianwärter fähig ist die Grundlagen dieser Einzelwissenschaften zu erlernen und schließlich politisch anzuwenden. Das ist nicht einfach, aber auch nicht unlösbar. Dabei ist klar, dass man nicht von Anfang an die umfassendste, wissenschaftliche Elite schlechthin hat, sondern die Partei muss sich natürlich auch immer weiter entwickeln. Dieses Weiterentwickeln ist aber auch nur auf wissenschaftlicher Basis möglich und nicht z.B. auf Basis von beliebigen Meinungen.
      Die Partei soll auch nicht willkürlich aussieben und sich wissenschaftlich schimpfen, denn es muss eine regelmäßige Kontrolle des Erkenntnisstands der Mitglieder und Transparenz (hier: öffentliche Kritikmöglichkeit) über diesen Erkenntnisstand geben.

      zu 2) Wissenschaft hat die Funktion die Realität adäquat abzubilden und ist damit eng verbunden an das Erzeugen von relativ hoher Wahrheit (siehe „Was ist Wahrheit?“-Artikel). Ob etwas wahr ist oder nicht, entscheidet letztlich die Praxis, also die praktische Tätigkeit. Ob z.B. unser Wissen über die Atome relativ wahr ist, beweist der Bau eines funktionsfähigen Atomkraftwerks. Ob z.B. unser Wissen über die menschliche Psyche relativ wahr ist, zeigen soziale Experimente usw. usf.

      Ich sehe auch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung zwischen einer wissenschaftlichen Partei und einer Nichtwählbarkeit. Eine solche Partei hat nichts mit Arroganz zu tun, sondern mit Wahrheitsfindung und dies nutzt letztlich den Menschen – auch wenn es natürlich immer ignorante und wissenschaftsablehnende Menschen gibt. Je gebildeter die Menschen, umso offener sind sie dafür.

      Ansonsten kann ich deinen Ausführungen zum Liquid Feedback zustimmen, aber trotzdem bleibt die Kritik, dass sich subjektive Meinungen, und keine Wissenschaft, durchsetzen. Ich sehe Liquid Feedback ganz klar als ein Element, das jede Partei haben sollte, aber sie ist eben lange noch keine hinreichende Bedingung für richtige Politik. Wenn man bspw. 1000 unwissende Personen über die Sätze der Thermodynamik diskutieren lässt, kommt weniger Erkenntnisgewinn dabei heraus, als
      wenn man nur 10 Thermodynamiker darüber diskutieren lässt. „Viel“ bringt nicht immer „viel“.

      Mir ist klar, dass die wissenschaftliche Herangehensweise nicht einfach ist, aber ich sehe keine andere Möglichkeit eine wirklich, qualitativ andere Politik zu machen, die nicht opportun und subjektiv, nicht beliebig und zufällig ist, sondern eine Grundlage in der Wissenschaft hat, die allein in der Lage ist eine Anleitung zum Handeln zu geben.

      * die Klammern sollen verdeutlichen, dass Ökonomie und Philosophie von Unwissenschaftlichkeit sehr gefährdet sind (siehe Artikel „Probleme der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften“ und „Grundfrage der Philosophie“)

  5. Lenny Soto schreibt:

    Ich frage mich wirklich, warum du dem, was du „Wissenschaft“ nennst, zutraust, darüber zu entscheiden, was ein Bürger zu tun und zu lassen hat. Die Wissensschaft mag wohl ein geeignetes Instrument sein, um herauszufinden, was der Fall ist. Aber sie gibt keine Antwort auf die Frage „Was soll ich tun?“ Deine Auffassung impliziert ein Kastensystem in dem „die Wissenschaftler“ das Sagen haben und angeblich besser über die Bedürfnisse der anderen Bescheid wissen als diese selbst. Warum sollte es z. B. einem Kfz-Mechaniker nicht erlaubt sein, sich politisch zu beteiligen und seine Wünsche zu äußern? Ich glaube nicht, dass du viele Leute von deinem Ansatz überzeugen kannst – am wenigsten Wissenschaftler, die sich über den begrenzten Skopus ihres Forschungsgebiets bewusst sind.

    • dialecticprogress schreibt:

      „Ich frage mich wirklich, warum du dem, was du „Wissenschaft“ nennst, zutraust, darüber zu entscheiden, was ein Bürger zu tun und zu lassen hat.“
      „Wissensschaft mag wohl ein geeignetes Instrument sein, um herauszufinden, was der Fall ist. Aber sie gibt keine Antwort auf die Frage „Was soll ich tun?“ “

      Deine Kritik impliziert folgendes: Eine wissenschaftliche Politik kann keine Lösungen geben, aber eine Politik aus Basis von Meinungen schon. Gleichzeitig beziehst du deine Kritik allein auf individuelle Probleme und klammerst gesellschaftliche Probleme aus, obwohl der Fokus von Politik im Allgemeinen auf Letzterem liegt.
      Gleichzeitig wüsste ich keine politische Gruppierung, die primär auf individuelle Probleme, Sorgen, Handlungsempfehlungen eingeht. Dafür sind Freunde, Familie, Psychologen oder konkrete Interessensgruppierungen usw. zuständig, aber nicht eine politische Partei.

      Abgesehen davon ist der Knackpunkt nach wie vor folgender: Du und die Mehrheit der Menschen trauen den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften (inkl. Politik) nicht zu, dass diese wissenschaftlich betrieben werden können oder, dass deren Ergebnisse/Lösungen/Handlungsanleitungen, falls sie tatsächlich wissenschaftlich sind, relevant sind.
      Wer so denkt und sich auf die aktuelle Geistes- und Gesellschaftswissenschaft bezieht, hat auch Recht. Wer aber allgemein so über Geistes- und Gesellschaftswissenschaft redet, hat nicht Recht. Dies habe ich im Artikel „Probleme der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften“ versucht deutlich zu machen. Auch im Artikel über die Grundfrage der Philosophie sieht man beim genauen Lesen, dass es auch hier relative Wahrheiten gibt, die man praktisch nutzen kann und die auch eine Anleitung zum konkreten Handeln geben.

      Der Rest deiner Kritik beruht auf falscher Spekulation. Ich habe überhaupt keine Aussage über politische Entscheidungsprozesse („Kfz-Mechaniker“) oder Herrschaftsformen („Kastensystem von Wissenschaftlern“) gegeben, schon garnicht diese, die du mir unterstellst (scheinbar hast du mein Beispiel über die Thermodynamik überinterpretiert). Ich habe ausschließlich über die Notwendigkeit einer wissenschaftlich agierenden Partei gesprochen und wie man eine solche aufbauen kann und wie interne Abläufe aussehen könnten.

      Ich denke unsere Differenzen sind nicht lösbar, weil a) du nicht glaubst, dass Politik wissenschaftlich betrieben werden kann und b), weil du glaubst, dass eine unwissende Mehrheit besser ist, als eine wissenschaftliche Minderheit. a) lehne ich ab und erkläre das in vielen Artikeln in diesem Blog und zu b) habe ich einen Nachtrag geschrieben.

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